Mit dem Mountainbike durch die Rhön (Trans Buchonia) und Thüringer Wald (Rennsteig) an zwei Tagen. Insgesamt 325 km und 7000 hm pure Mountainbike Emotions.
Durch die Rhön
Nachdem wir letztes Jahr die Trans Buchonia nicht ganz zu Ende gefahren sind, sollte es dieses Jahr am 01. Mai klappen. Die Eckdaten für diesen Rhön-Cross von Süd nach Nord sind beachtlich: 145km und 3400 hm sind auf der Durchquerung der Rhön von Bad Kissingen nach Bad Salzungen zu bewältigen. Allerdings wollten wir dieses Mal nicht mit dem Zug zurückzufahren, sondern am nächsten Tag mit dem Fahrrad. Da bietet sich der Rennsteig geradezu an. Jedoch mit 180 km und ebenfalls über 3000 hm kein Zuckerschlecken.
Wir, das waren zwei Bike-Freunde und ich, trafen uns am Abend zuvor in einem Restaurant in Bad Kissingen. Leider hatte ich mir im Vorfeld einen Magen-Darm-Virus eingefangen und konnte aus der gut bürgerlichen Küche nur wenig Kalorienhaltiges zu mir nehmen. So nahm ich mir für den nächsten Tag vor es zu versuchen und notfalls nach spätestens 80 km auszusteigen.
Der Morgen war zwar ziemlich kühl, begrüßte uns aber mit stahlblauem Himmel. Wir verabredeten uns um 08:30 Uhr vor unserem Hotel. Dieses Mal sollten ideale Bedingungen auf uns warten. Kein Matsch wie 2025. Allerdings unterlief uns wieder derselbe Verfahrer bei der Anfahrt zum Einstieg. Das erste Zwischenziel, den Kreuzberg, erreichten wir nach ca. 4h Fahrzeit. Auf meinem (neuen) Hardtail kam ich gut berghoch. Bis hierhin wechselten sich Trails mit fantastischen Ausblicken ab. Der Bärlauch begann erst zu blühen. Deswegen war der Pfad auf einem Bergrücken durch die grün-weiße Pracht dieses Mal nicht so spektakulär. Aber es war immerhin trocken. Der Flowtrail vom Kreuzberg war auch ohne Fully ein Genuss. Im Übrigen benötigt man für die Strecke der Trans Buchonia kein Fully. Am Ende des Trails verabschiedete sich planmäßig ein Kollege, sodass wir von da an zu zweit die Rhön erleben durften.
Die weitere Streckenführung ist einfach genial. Trails im Hochmoor. Phantastisches Panorama. Es gibt jedoch einen richtig fiesen Uphill auf einer teils verblockten Wiese, den ich nur mit absolutem Willen bezwang. Als wir in Dernbach ankamen, mussten wir dringend unsere Flaschen füllen und suchten den Friedhof. Den fanden wir zwar nicht. Dafür aber ein Dorffest, wo wir auftanken konnten. Dernbach ist der Ort, wo wir letztes Mal abbrachen und auf der Straße nach Bad Slazungen fuhren. Ich fühlte mich noch richtig gut, mein MDV hatte keinen negativen Effekt auf meine Leistung. Also gingen wir in den nächsten Anstieg. Der ist am Ende noch mal ein richtiger Zermürber. Eine lange Anfahrt über eine Wiese zwang uns, die letzten Höhenmeter zu schieben. Kann man schon fahren, wenn man noch frisch ist. Aber nach 3000 hm sparten wir hier lieber Körner. In der nächsten Ortschaft hatte mein Begleiter dann genug und nahm wieder die Straße. Ich setzte meinen Willen in die Tat um und quälte mich über die letzten beiden zwei Anstiege (ich dachte es wäre nur noch einer). Der letzte Downhill ist ein mit Wurzeln gespickter Trail, der einem HT-Fahrer nochmals einiges an Kraft und Konzentration abverlangt.
Wähnt man sich schon in Bad Salzungen, geht es immer wieder in einen Trail oder Feldweg rein. Jeder Meter Asphalt wird vermieden. Nach 09:15 h erreichte ich, nach etwas Suchen, endlich unser Hotel.
Die Nacht verlief alles andere als erholsam. Ein Feueralarm riss uns aus unserem Schlaf. Wir packten unsere Wertsachen und versammelten uns mit den übrigen schlaftrunkenen Gästen im Freien. Und warteten und warteten und warteten. Der Alarm hörte nicht auf und keine Feuerwehr kam. Ein Brand war auch nirgends zu erkennen. Irgendwann kam jemand auf die Idee, den Notruf zu wählen. Danach prüften Polizei und Feuerwehr die Lage und gaben Entwarnung.
Buchonia auf Strava anschauen …
Über den Rennsteig
Nach dem Frühstück sind wir über Bad Liebenstein auf Radwegen und Straße hinauf zum Einstieg des Rennsteigs gefahren. Der Rennsteig verläuft im Original auf ca. 170 km längs durch den Thüringer Wald und zwar zwischen Hörschel und Blankenstein
Wir verpassten zwar ca. 20 km Rennsteig, aber hatten die gleiche Distanz und 500hm bis zu unserem Einstieg geschafft. Das erste Zwischenziel war der Große Inselsberg (916m). Die Strecke verlief teils auf verwurzelten Uphills, auf denen ich mir das Fully gewünscht hätte. Auf dem Inselsberg nahm Carl Friedrich Gauß seine Landvermessungen vor. Wir bestimmen heutzutage unsere Entfernungen digital mit dem Garmin Edge. Und die vermittelte uns zum Ziel in Blankenstein jetzt noch 150km.
Danach nahmen wir Oberhof ins Visier, und mein Kamerad ließ seiner Vorfreude auf eine Thüringer Bratwurst freien Lauf. Der Weg dorthin ist typisch Rennsteig. Ein ständiger Wechsel zwischen Abfahrten (meist auf Trails) und Uphills (überwiegend auf Schotter). Als wir in das Biathlon Areal von Oberhof einfuhren steuerten wir sofort die Bratwurstbude an. Die Thüringer Bratwurst macht nach wie vor ihrem Ruf alle Ehre. Allerdings hat mich der Senf noch viel mehr verblüfft. Das war zusammen mit der Afri-Cola genau der richtige Snack für unsere Radl-Tour. Zwischen Athletinnen auf Roll-Skiern und Touristen beschlichen mich allerdings erste Zweifel, das Ziel zu erreichen. Zwei Drittel der Strecke lagen noch vor uns. Uhrzeit: bereits 13 Uhr!
Bis Neuhaus am Rennweg fuhren wir auf Trails aller Art: Wurzeln, Uphills, Flow. Die Strecke machte echt Spaß. Nur langsam erkannte ich, dass meine Leistung abnahm. Wir besprachen die Lage und beschlossen uns hier zu trennen. Ich folgte einer Route von Google Maps, mein Gefährte setzte seine Fahrt auf dem Rennsteig fort. Zuerst verlief meine Route auf der Straße. Dann jedoch führte mich der Track wieder auf den Rennsteig. Den wollte ich mir eigentlich ersparen. Zwischendurch traf ich sogar wieder auf meinen Begleiter. Ich versuchte den Rennsteig zu vermeiden, wo es nur ging. Aber mangels Ortskenntnis wählte ich dann doch auch den Rennsteig. Zwischendurch stand ich im Wald und hatte mich komplett verfahren. Das ständige Prüfen, ob ich auf dem richtigen Weg bin, raubte mir auch den Nerv.
Am Ende kam ich 20 Minuten später im Hotel an, hatte genauso viel Kilometer, aber 300 hm mehr auf der Uhr als mein Begleiter. Fazit der Geschichte: die schnellste und Nerven schonenste Strecke ist einfach dem Rennsteig zu folgen.