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Warum Führen ohne Verlierer stärker ist

Stell dir vor, Arbeiten wäre kein Tauziehen mehr. Nicht „Vertrieb gegen Produktion“, „Chef gegen Team“, „Wir gegen die anderen“. Sondern: Wir ziehen am selben Seil – in dieselbe Richtung. Genau darum geht es beim Win-Win-Denken: Als Leader Lösungen finden, bei denen beide Seiten gewinnen. Klingt romantisch? Klingt nicht vertraut? Dann lies bitte weiter.

Stell Dir vor …

du leitest (oder besser gesagt führst ;-)) ein Team in einem Software-Unternehmen. Das Quartalsziel wackelt. Ein großer Kunde winkt mit einem lukrativen Auftrag und möchte schnell neue Funktionen, das Team sagt jedoch: „Das schaffen wir im Zeitplan nicht.“

Bisher hättest du vielleicht einfach entschieden: „Wir machen’s trotzdem.“ Auf dem Papier wärst du kurzfristig „Gewinner“. In der Realität passiert jedoch oft Folgendes: Es fallen Überstunden an, bei deinen Team-Mitgliedern entsteht Frust, die Qualität leidet, die Kunden sind verärgert. Alle verlieren – am Ende auch Du.

Wenn du Win-Win denkst, könntest du aber auch folgendes probieren. Du fragst den Kunden: „Was ist Ihr Ziel? Was wollen Sie erreichen? Was ist Ihnen wirklich wichtig: Gibt es Anforderungen, auf die man verzichten kann und trotzdem das Ziel erreichen?“ Mit dem Team klärst Du: „Was können wir zuverlässig liefern? Welche Optionen haben wir?“
Du erstellst mit dem Team ein klar priorisiertes Backlog und eine Sprintplanung, in der die wichtigsten Punkte zuerst behandelt werden. Du beziehst damit das Team und seine Interessen ein.

Das Ergebnis: Der Kunde bekommt den erwarteten Wert, das Team bleibt motiviert, und du hast geliefert.

Win-Win in einem Satz

Win-Win bedeutet: Ich will, dass du gewinnst – und ich will, dass ich gewinne. Wenn das nicht geht, suchen wir weiter. Und wenn wir keine faire Lösung finden, lassen wir es lieber, als uns später zu zerstreiten.

Für Dich als Führungskräfte bedeutet das:

  • Du triffst Entscheidungen, die heute funktionieren und morgen noch halten.
  • Du führst Gespräche, in denen Probleme auf den Tisch kommen – ohne Schuldzuweisungen.
  • Du stärkst Vertrauen: Zusagen sind klar, messbar und realistisch.

Für mich als Mitarbeitenden bedeutet das:

  • Ich werde gehört: Meine Interessen werden verstanden. Es wird nicht über meinen Kopf hinweg entscheiden.
  • Ich bin mitverantwortlich: Ich kann mich an Lösungen beteiligen.
  • Ich erlebe Fairness und Kommunikation auf Augenhöhe

Win-Win ist kein „Kompromiss light“

Ein Kompromiss bedeutet oft: „Alle geben nach – und niemand ist richtig zufrieden.“ Win-Win sucht etwas Besseres: eine Lösung, bei der beide Parteien sagen können, was genau ihr Gewinn ist. Das wirkt nur, wenn drei Ebenen zusammenkommen:

  1. Charakter: Ehrlich über Ziele und Grenzen sprechen.
  2. Beziehung: Respektvollen Umgang pflegen und echte Zuhör-Bereitschaft zeigen.
  3. Klare Vereinbarungen: Wer macht was bis wann – und woran merken wir Erfolg?

So geht Win-Win in der Praxis (kurz & konkret)

Statt „Wir müssen!“ beginnt Win-Win mit zwei einfachen Fragen:

1) Interessen klären: Was ist dir wichtig – und warum?
Beim Kunden kann es z. B. Umsatzsteigerung sein, intern vielleicht Qualität oder Entlastung. Es geht um Interessen, nicht um starre Positionen.

2) Optionen finden: Welche Optionen bringen für beide Gewinne?
Beispiele: kleinere Etappen statt Big Bang; längere Vertragslaufzeit gegen Preisstabilität; Tausch von Anforderungen; gemeinsame Effizienzmaßnahmen statt Mehrarbeit.

Win-Win ist anstrengender, aber auf lange Sicht effektiver. Wenn man bei Entscheidungen immer als Gewinner vom Platz gehen möchte, erzeugt man auf der anderen Seite Verlierer. Der Verlierer jedoch wird sich irgendwann abwenden, was dazu führt, dass man selbst als Verlierer dasteht. Deswegen ist es besser, Win-Win zu denken und danach zu handeln. Probiere es einfach mal aus. Du wirst überrascht sein, welchen Effekt das auf die Beziehung zu deinem Team haben wird. Viel Erfolg!

Im nächsten Artikel dieser Serie werde ich beschreiben, warum es als effektiver Leader wichtig ist, aktiv zuzuhören.

agilecyclist

I startet my career as a developer. I first came into contact with Agile in the 90s when I was an architect responsible for a software product for Tier-1 banks. Back then it was still agile theatre. Since I started working intensively with Agile a lot has changed for the better. As an Agile Coach I am convinced that Agile can help in an era marked by rapid change and constant challenges. Agile is far from dead!

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