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Warum Führen ohne Verlierer stärker ist

Win-Win-Führung

Stell dir vor, Arbeiten wäre kein Tauziehen mehr. Nicht „Vertrieb gegen Produktion“, „Chef gegen Team“, „Wir gegen die anderen“. Sondern: Wir ziehen am selben Seil – in dieselbe Richtung. Genau darum geht es beim Win-Win-Denken: Als Leader Lösungen finden, bei denen beide Seiten gewinnen. Klingt romantisch? Klingt nicht vertraut? Dann lies bitte weiter.

Stell Dir vor …

du leitest (oder besser gesagt führst ;-)) ein Team in einem Software-Unternehmen. Das Quartalsziel wackelt. Ein großer Kunde winkt mit einem lukrativen Auftrag und möchte schnell ein neues Feature. Das Team sagt jedoch: „Das schaffen wir im Zeitplan nicht.“

Bisher hättest du vielleicht einfach entschieden: „Wir machen’s trotzdem.“ Zu Beginn fühlst du dich gut und stark. Du bist schließlich hier der Chef. Und irgendjemand muss ja die schwierigen Entscheidungen treffen. Vielleicht fühlst du dich als Gewinner, weil das Team deine Entscheidung nun umsetzen muss.

In der Realität passiert jedoch oft Folgendes: Es fallen Überstunden an. Bei deinen Team-Mitgliedern entsteht Frust. Die Qualität leidet. Die Kunden sind verärgert. Überall Verlierer. Alle verlieren – am Ende auch Du.

und jetzt stell Dir vor …

Du hörst dir die Argumente und Bedenken aus dem Team an. Du erstellst mit ihm die Anforderungen des Kunden und priorisiert diese, z.B. gemäß MOSCOW. Ihr erstellt gemeinsam ein klar priorisiertes Backlog und eine Sprintplanung, in der die wichtigsten Punkte zuerst behandelt werden. Du vereinbarst mit dem Team erst mal nur die Must Haves zu entwickeln, und verifizierst die Ergebnisse regelmäßig, z.B. nach jedem Sprint, mit dem Kunden. Das senkt das Risiko, alles liefern zu müssen, was der Kunde beauftragt hat.

Du beziehst damit das Team und seine Interessen ein.

Das Ergebnis: Der Kunde bekommt wahrscheinlich den erwarteten Wert (wenn auch vllt. nicht alle ursprünglichen Anforderungen), das Team bleibt motiviert, und du hast geliefert. Alle gewinnen – nicht nur Du.

Win-Win in einem Satz

Win-Win bedeutet: Ich will, dass du gewinnst – und ich will, dass ich gewinne. Wenn das nicht geht, suchen wir weiter. Und wenn wir keine faire Lösung finden, lassen wir es lieber, als uns später zu zerstreiten.

Win-Win ist kein „Kompromiss light“

Ein Kompromiss bedeutet oft: „Alle geben nach – und niemand ist richtig zufrieden.“ Win-Win sucht etwas Besseres: eine Lösung, bei der beide Parteien sagen können, was genau ihr Gewinn ist. Das wirkt nur, wenn drei Ebenen zusammenkommen:

  1. Charakter: Ehrlich über Ziele und Grenzen sprechen.
  2. Beziehung: Respektvollen Umgang pflegen und echte Zuhör-Bereitschaft zeigen.
  3. Klare Vereinbarungen: Wer macht was bis wann – und woran merken wir Erfolg?

So geht Win-Win in der Praxis (kurz & konkret)

Statt „Wir müssen!“ beginnt Win-Win mit zwei einfachen Fragen:

1) Interessen klären: Was ist dir wichtig – und warum?
Beim Kunden kann es z. B. Umsatzsteigerung sein, intern beim Team vielleicht Qualität oder Entlastung. Es geht um Interessen, nicht um starre Positionen.

2) Optionen finden: Welche Optionen bringen für beide Gewinne?
Beispiele: kleinere Etappen statt Big Bang; längere Vertragslaufzeit gegen Preisstabilität; Tausch von Anforderungen; gemeinsame Effizienzmaßnahmen statt Mehrarbeit.

Win-Win ist anstrengender, aber auf lange Sicht effektiver. Wenn man bei Entscheidungen immer als Gewinner vom Platz gehen möchte, erzeugt man auf der anderen Seite Verlierer. Der Verlierer jedoch wird sich irgendwann abwenden, was dazu führt, dass man selbst als Verlierer dasteht. Deswegen ist es besser, Win-Win zu denken und danach zu handeln.

Probiere es einfach mal aus. Du wirst überrascht sein, welchen Effekt das auf die Beziehung zu deinem Team haben wird. Viel Erfolg! Du brauchst Unterstützung? Dann wende dich gerne an mich direkt.

Im nächsten Artikel dieser Serie werde ich beschreiben, warum es als effektiver Leader wichtig ist, aktiv zuzuhören.

agilecyclist

I startet my career as a developer. I first came into contact with Agile in the 90s when I was an architect responsible for a software product for Tier-1 banks. Back then it was still agile theatre. Since I started working intensively with Agile a lot has changed for the better. As an Agile Coach I am convinced that Agile can help in an era marked by rapid change and constant challenges. Agile is far from dead!