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Kaputtfahren im Ötztal

Ich habe mir dieses Jahr tatsächlich noch mal ein neues Rennrad zugelegt, ein Scott Addict RC Pro. Das verlängerte Wochenende um Fronleichnam musste herhalten, um das Rad auf seine Bergtauglichkeit zu testen. Als Ausgangsort sollte der Campingplatz in Umhausen im Ötztal dienen.

Das Ötztal bietet wenige Rundkurse, mal abgesehen von der Schleife des Ötztaler Radmarathons. Am Anreisetag musste ich erst noch etwas warten bis ich auf meine erste Testfahrt starten konnte. Ich suchte mir hierfür folgende Runde aus: Umhausen – Ötz – Inntal – Haimingerberg – Kühtai – Ötz – Umhausen. Bereits beim Einbiegen talwärts bremste mich kräftiger Nordwind aus, sodass ich sogar bergab treten musste. Der Haimingerberg war für mich noch Neuland. Auf den ersten Metern war bereits zu erkennen, dass es hier steil wird. Mein Garmin zeigte permanent etwas zwischen 9 und 18% Steigung an. Ich fühlte mich ganz gut auf dem Bike, die Sitzposition schien zu passen. Bis es bergab zum Ochsengarten ging. Da merkte ich die Überhöhung schon deutlich. Also passte ich das System etwas an und ging den Rest des Kühtais an.

Das Stück in der Galerie ist 20% steil. Leute, wie konnte ich damals bei meiner Bestzeit beim Ötzi hier so schnell rauffahren? Jetzt zog ich an Lenker und würgte die Kurbel rum, sodass ich gerade nicht vom Rad fiel. Andererseits bemerkte ich, wie wunderschön das Tal hier war. Überall locken idyllische Fleckchen am Bach zum Baumelnlassen von Seele und Geist ein. Auf dem Kühtai, hässlich wie eh und je, merkte ich wie kühler Wind auf mein durchnässtes Trikot traf. Leider hatte ich keine Windweste dabei und auch kein Unterhemd an.

Die Abfahrt zurück nach Ötz verlief eigentlich ganz passabel. Aber so sicher und schnell wie auf meinem damaligen S-Works fuhr es sich auf dem Addict (noch) nicht.

Am zweiten Tag fuhr ich mit Windunterstützung nach Sölden. Dort war gerade ein MTB/Enduro/Downhill-Event im Gange. Die Fahrt auf das Timmelsjoch, erneut viel langsamer als früher, teilte ich mir mit Horden von Motorradfahrern. Auf dem Joch entschied ich mich, noch die ersten Kehren auf der italienischen Seite hinabzufahren bis zum Gasthof Hochfirst, kehrte kurz ein, und fuhr 600 Höhenmeter wieder zurück auf das Joch. Am Pass herrschte buntes Treiben: Spaßvögel mit kreativ hergerichteten Autos. Da waren komplette Corsos von Verrückten unterwegs. Auch Corsos von Sportwagenfahrern, mal Porsche, mal andere. Und Motorräder, Motorräder und Motorräder. Dazwischen Fahrer auf zwei dünnen Reifen ohne jegliche Knautschzone, die gewagten Überholmanövern ausgesetzt waren. Ich schaute mehrmals Motorradfahrern in die Augen und konnte ihre Augenfarbe ausmachen, als sie auf meine Seite ausscherten, um zu überholen. Das Timmelsjoch wird von Verrückten unterjocht. Der Abfahrtsspaß wurde jetzt noch vom strengen Wind aus dem Norden jäh gebremst.

In Sölden riss der Wind eine Absperrung nieder und beförderte die Stange derselben direkt in mein Schaltwerk. Ein erster Check verlief ohne Probleme. Beim Schalten unter Last allerdings wollte die Kette wollte nicht mehr so smooth die Kränze wechseln. Und jetzt noch der Wind. Statt mit 40km/h nach Umhausen zu düsen, musste ich kämpfen, um das Tempo bei 25 zu halten. Am Abend bemerkte ich erste Halsschmerzen.

Die ignorierte ich am nächsten Morgen. Eigentlich wollte ich auf die Pillerhöhe, wo ich auch noch nie zuvor war. Ich entschied mich aber für das Kühtai von Ötz aus und wieder zurück. Schließlich fuhr ich von Umahusen nochmal nach Niederthai, einem urigen Weiler in einem Seitental des Ötztals.

Fazit: Das Scott Addict RC Pro fährt sich ganz passabel, kommt aber an das S-Works aus meiner Sicht nicht heran. Da liegen allerdings auch 6000 Euro dazwischen. Der Campingplatz Umhausen ist eine klare Empfehlung für einen Kurztrip. In Umhausen gibt es interessante Spot, so z.B. den größten Wasserfall Tirols, der Stuibenfall, einen Klettersteig direkt am Wasserfall, u.a. mit Querung des Wasserfalls (ich hatte leider mein KS-Set vergessen), ein Ötzi-Dorf, das man besichtigen kann und eine Greifvogel-Station. Ich kannte Umhausen bisher nur morgen um 6:30 bei der rasanten Abfahrt von Sölden während des Ötztaler Radmarathons. Ich sehe mich dort b.a.w. nicht mehr, kann aber jedem Umhausen als Urlaubsort empfehlen. Zumal da auf beiden Seiten auch etliche Wanderrouten auf 3000er zu finden sind.

Schaltwerk defekt, aber hoffentlich nicht kaputt. Auf jeden Fall darf ich mich mit einer starken Bronchitis rumschlagen.

agilecyclist

I startet my career as a developer. I first came into contact with Agile in the 90s when I was an architect responsible for a software product for Tier-1 banks. Back then it was still agile theatre. Since I started working intensively with Agile a lot has changed for the better. As an Agile Coach I am convinced that Agile can help in an era marked by rapid change and constant challenges. Agile is far from dead!

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