Am 07.06.2026 fuhr ich den Eselsweg komplett mit meinem Hardtail Mountainbike ohne Verpflegungsmöglichkeit mit nur zwei Flaschen Wasser und zwei Riegeln. Gibt man diese Angaben einem KI-Prompt, spuckt diese folgendes aus: Den Eselsweg (111 km, ca. 2.300 hm) an einem einzigen Tag auf einem Hardtail mit nur zwei Riegeln und zwei Trinkflaschen zu fahren, bedeutet für den Fahrer das unmittelbare Risiko eines schweren körperlichen Einbruchs (Hungerast und Dehydration). Ohne geplante Zwischenstopps zum Nachfüllen und Nachkaufen grenzt dieses Vorhaben an ein gesundheitsgefährdendes Himmelfahrtskommando, da die Route fast ausschließlich durch einsame Wälder ohne Quellen oder Kioske verläuft.
Tatsächlich spürte ich in Großheubach Anzeichen eines Hungerastes. Ich füllte allerdings nur meine beiden Flaschen auf und hängte noch meine Hometrais nach Hause dran. Damit kam ich auf insgesamt 135 Kilometer und 2700 Höhenmeter. Das ist keine heroische Leistung. Denn ich bin die komplette Strecke im Grundlagenausdauer-Bereich gefahren. Sonst wäre ich mit Sicherheit unterwegs eingebrochen. Nichtsdestotrotz gönnte ich mir zu Hause einen üppigen Döner-Teller. Und darüber hinaus ist das keine Empfehlung an un- oder normaltrainierte Mountainbiker. Da ist eine Mehrtagestour mit Sicherheit sinnvoller.
Die Route basiert auf einem mittelalterlichen Salzhandelsweg, auf dem das “weiße Gold” zollfrei auf Eselsrücken von Fulda oder Bad Orb nach Miltenberg bzw. Großheubach transportiert wurde. Da der Weg strategisch entlang der Bergkämme und Höhenzüge angelegt wurde, verläuft er fast ausschließlich fernab von Ortschaften auf etwa 400 bis 500 Metern Höhe auf einem Sägezahnkurs.
Wer Ausblicke liebt, wird hier enttäuscht. Nur im Anfang des hessischen Tails wird es davon einige geben. Bei Lettgenbrunn, so meine Einschätzung taucht man dann in den Wald ein und verlässt ihn bis Großheubach kaum mehr. Die Trails verlassen die S0-Skala so gut wie nie und bieten damit meist den ersehnten Flow. Auch wenn diese meist nur relativ kurz sind.
Ein GPS-Gerät kann nicht schaden, ist aber aufgrund der vorbildlichen Markierung und Ausschilderung nicht unbedingt notwendig.
Die Verpflegungsmöglichkeiten sind in der Tat ein Problem. Mein Plan war am “Engländer” einzukehren und etwas Ordentliches zu essen. Und natürlich meine Flaschen aufzufüllen. Nur leider hatte die Gaststätte zu dieser Zeit Betriebsferien. Früher hätte es noch die Möglichkeit gegeben, am Echterspfahl oder im Hundsrückhof einzukehren. Leider ist dies nicht mehr möglich. Wer wirklich dem Hungerast nahe ist, dem empfehle ich die Autobahn-Raststätte Rohrbrunn aufzusuchen. Das habe ich in der Vergangenheit auch schon gemacht, auch wenn es damals erstaunte Blicke gab, einen Fahrradfahrer anzutreffen. Oder genug mitnehmen. Wer den Eselsweg an einem Tag fahren und nicht zum “Nachtanken” in die im Tal gelegenen Ortschaften abfahren möchte, dem reicht ein gut gefüllter Tagesrucksack.
Ich bin den Eselsweg nun mindestens 10 Mal am Stück gefahren. Das letzte Mal liegt nun schon sehr lange zurück. Davon bin ich ihn ein Mal mit dem Fully gefahren. Und ich bin auch nach diesem Mal der Meinung, dass ein Hardtail vollkommen ausreicht und den Fahrspaß keineswegs einschränkt.
Übrigens kann man den Eselsweg auch in umgekehrter Richtung fahren, also vom Großheubach nach Schlüchtern. Das habe ich bisher nur teilweise gemacht. Für Leute die aus der Nähe von Schlüchtern kommen, könnte dies allerdings eine Option sein.
Fazit: Der Eselsweg ist technisch einfach, landschaftlich nicht der Brüller (weil viel Wald). Es geht ständig rauf und runter. Die Verpflegungsmöglichkeiten auf der Route sind sehr rar: Lettgenbrunn, Wiesbüttsee (hatte auch geschlossen) und Engländer. Also vorher unbedingt erkundigen, was am Tag deiner Tour geöffnet hat. Für eine 2-Tages-Tour macht Heigenbrücken als Ort der Übernachtung am meisten Sinn. Viel Spaß!
Suchst du nach dem Eselsweg die nächste Herausforderung kann ich die Rhön oder den Rennsteig empfehlen.