03.07.2026: Rheinschlucht
Die Nacht ist allerdings mies, weil mir das Kissen überhaupt nicht taugt. Dafür ist das Frühstück in der Jugendherberge besser als in so manchem Hotel.
Auch heute passe ich meinen Plan an, denn mein Körper und Geist sind nicht bereit, mehr als 2000 Höhenmeter zu schlucken. Zum Glück habe ich im Internet etwas über die spektakuläre Rheinschlucht gelesen, also zimmere ich mir am Vorabend kurzerhand einen neuen Track zusammen. Ich sollte diese Entscheidung nicht bereuen.
Auf dem Weg nach Thusis muss ich leider wieder durch zwei stark befahrene Tunnels, und es ist schon irre, wie auch die LKW-Fahrer gnadenlos an mir vorbeibrettern. Einer gönnt sich einen Spaß und lässt seine Fanfare ertönen – im Tunnel!
Danach fahre ich über den historisch sehr interessanten Polenweg. Er spielte wohl auch eine Rolle bei der geplanten Einverleibung der Schweiz durch Deutschland und Italien im Jahr 1940, was Adolf und Mussolini zum Glück vergeigt haben. Später im Kalten Krieg zwischen 1962 und 1990 war er relevant für russische Spionage, die 1971 sogar als Ziel hatte, den Bodensee zu vergiften.
Meine Planänderung beschert mir heute einen richtig schönen Tag. Die Rheinschlucht entpuppt sich als echtes Highlight. Nach 65 Kilometern und 700 Höhenmetern Rumgondeln erreiche ich Ilanz. Als ich mein Hotel von außen sehe, bin ich zunächst sehr skeptisch, aber es überzeugt mit inneren Werten. Mein Zimmer hat zwar kein eigenes WC, dafür steht die Dusche direkt im Zimmer und alles ist tipptopp sauber.
Ich dürfte jetzt ungefähr die Hälfte meiner Reise hinter mir haben, auch wenn meine Zuversicht, dass sich meine Vision erfüllt, aktuell eher gering ist. Die Zimmersuche ist alles andere als einfach. Für morgen kann ich mit viel Glück immerhin ein Bett in einem Schlafsaal einer Pension ergattern. Übrigens ist die Quartiersuche echt nervig. Selbst in der teuren Schweiz bekommt man aktuell nicht ohne Weiteres einen Platz. Geld scheint noch genug da zu sein.