22.06.2026: Grenzwechsel mit brutalen Steigungen und coolen Leuten
Der Tag startet mit einem frühen Frühstück um sieben. Ich sitze um acht Uhr im Sattel und decke ich mich in Tolmin noch mit zwei Bananen ein (zwei Bananen werden mich ab jetzt fast täglich über den Tag retten).
Der Uphill zum Kolovrat ist einfach nur brutal. Oben angekommen, wähle ich die italienische Seite des Kamms, die mir eine Hammer-Aussicht in die Ebene liefert. Die slowenische Seite hätte zwar Blicke auf Triglav und Mangart versprochen, aber man kann eben nicht alles haben – ein kurzes Erhaschen der Gipfel ist am Ende doch noch drin.
Nach Libegg, wieder auf slowenischem Boden, vernichte ich Höhenmeter, quere zum dritten Mal die Grenze und nehme den ewig langen Uphill zum Matajur in Angriff. Was für ein Schlauch, ich muss mindestens achtmal anhalten. Selbst 1000 Meter vor dem Rifugio Pelizzo opfere ich meine letzte Banane. Nach einer ordentlichen Portion Pasta wandere ich die restlichen Meter zu Fuß zum Gipfel und sauge das unbeschreibliche 360-Grad-Panorama auf die Karnischen und Julischen Alpen auf der einen Seite und die italienische Ebene auf der gegenüberliegenden Seite auf.
Dunkle Wolken ziehen auf, also passe ich meinen Plan an: Der Matadown-Trail, weswegen ich dieses Monster hochgefahren bin, wird gestrichen, Sicherheit geht vor dem drohenden Gewitter. Die Abfahrtsalternative auf der Strada Turistica di Montemaggiore nach Pulfero ist allerdings auch nicht übel. Um 16:30 Uhr erreiche ich nach 67 Kilometern und 2300 Höhenmetern das Albergo Vescovo.
Heute ist definitiv der Tag der coolen Begegnungen: Ein extrem lässiger Wirt im Pri Stefanu, drei Gravel-Bikerinnen, zwei wandernde Lübeckerinnen auf dem Alpe Adria Trail und ein US-Amerikaner, der Europa feiert, weil er von seiner autoritären und gewalttätigen Heimat die Nase voll hat. Der Wirt der Pelizzo Hütte toppt die Coolness des Slowenen sogar noch. Ein epischer Tag voller toller Menschen, grandioser Natur und einem heftigen Profil – und genau jetzt bricht das Gewitter krachend los.