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Alpencross Ost – West mit dem MTB: 20. Etappe von Praz sur Arly nach Bex

11.07.2026: Zerrissen zwischen Sicherheit und Neugier

Frankreich zeigt sich als ausgesprochen radsportfreundliches Land. Alle Pässe, die ich hier befahre, sind nämlich vorbildlich mit detaillierten Angaben zu Länge, Höhe und Steigung für Radfahrer ausgestattet. Zudem wird man regelmäßig auf historische Pässe der Tour de France aufmerksam gemacht. Folglich entspricht die heutige Route über schmale, verkehrsarme Bergstraßen bis nach Chamonix genau meinem Geschmack.

Chamonix liegt sehr nah am Mont Blanc und gilt deshalb zu Recht als strategischer Ausgangspunkt für dessen Besteigung. Allerdings möchte ich mir kaum ausmalen, wie der Berg litte, wenn all die Menschen, die ich heute in diesem Dorf treffe, tatsächlich hinaufsteigen würden. Daher stellt sich mir erneut die Sinnfrage: So beeindruckend die Natur auch ist, gerät sie leider schnell in den Hintergrund, sobald ein kritischer Schwellenwert an Touristen überschritten wird. Dies gilt für Chamonix ebenso wie für Cortina oder Davos. Dennoch bin auch ich Teil des Problems. In diesen Hotspots ist das Aufkommen schlicht zu groß.

Gleichzeitig stellt das Wetter mein größtes Risiko dar, da Gewitter mit Unwetterpotenzial gemeldet sind. Beim Verlassen von Chamonix sitzt mir die Front bereits im Nacken. Ich habe mir ab der Schweizer Grenze eine Strecke ausgesucht, die früher von Postkutschen zwischen Martigny und Chamonix genutzt wurde. Vor mir noch blauer Himmel – das könnte klappen. Sollte es hereinbrechen, könnte ich auch die Straße nach Martigny nehmen. Am Anstieg zum Col Montet blitzt und donnert es schon bedrohlich. Eine schwarze Front schiebt eindrucksvoll von hinten. Ich fühle mich von apokalyptischen Reitern verfolgt und trete umso beherzter in die Pedale. Ich blicke ständig zurück und wäge ab. Einerseits mahnt die Vernunft zur Sicherheit, andererseits siegen Neugier und die guten Beine über die Skepsis. Am Ende spuckt mich der Trail nach 37 Spitzkehren in Vernayaz aus.

Anschließend fahre ich ohne Reservierung weiter nach Bex, da Booking.com dort noch ein freies Zimmer anzeigt. Während der Suche ermahnt mich die Polizei, weil ich mit dem Smartphone in der Hand navigiere. Hätte ich jedoch früher aufs Display geschaut, wäre mir der Umweg erspart geblieben. Dadurch summiert sich der Tag auf 100 Kilometer und 1.600 Höhenmeter – und exakt mit meiner Ankunft am Hotel bricht schließlich auch das Gewitter los.

Abgesehen davon muss ich feststellen, dass meine Ausrüstung schwindet: Morgens fehlten bereits Windweste und Buff, später verlor ich einen Handschuh am Lenker und gestern war kurzzeitig meine Brille unauffindbar. Letztere ist glücklicherweise wieder da, den Rest kann ich verkraften.

Schlussendlich bleibt das Wichtigste: Die Mont-Blanc-Umrundung ist vollbracht, obwohl ich zwischenzeitlich zweifelte. Nun geht es weiter nach Norden – eventuell sogar die gesamten 700 Kilometer bis nach Hause.

agilecyclist

I startet my career as a developer. I first came into contact with Agile in the 90s when I was an architect responsible for a software product for Tier-1 banks. Back then it was still agile theatre. Since I started working intensively with Agile a lot has changed for the better. As an Agile Coach I am convinced that Agile can help in an era marked by rapid change and constant challenges. Agile is far from dead!