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Alpencross 2005 - 6. Etappe

  • Alpencross 2005
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  • < 5. Etappe 23.08. St. Ulrich - Valongia 71,44 km 2628 hm 07:36 h Profil 7. Etappe >
    Die Wetterprognose für den heutigen Tag war gut. Von allen Seiten war zu vernehmen, dass es trocken bleiben sollte. Beim Blick aus dem Fenster sahen wir jedoch Regen. Wir warteten bis ca. 10:00 Uhr mit der Abfahrt. Der Regen ging in Nieselregen über, wir schlüpften in unsere nassen Schuhe und steuerten erst ein Mal einen Bikeshop an. Steffen besorgte sich ein Paar neue Bremsbeläge, ich zwei Riegel und ein Gel. Bei der Auffahrt zur Seiser Alm hörte der Regen endlich auf. Es sollte eine traumhafte Tour werden.
    Zwar wurden wir vor dem Befahren des Knüppelsteiges gewarnt, ich wollte mir diese Passage aber auf gar keinen Fall entgehen lassen. Irgendwie würden wir da schon runterkommen. Von der Seiser Alm ging es über die Mahlknechthütte zum Seiser Alm Haus und von dort auf einem für Biker verbotenen Trail weiter zur Tierser Alpl. Zur Tierser Alpl führt ein sehr steiler Schotterweg hinauf. Wir sparten uns die Körner und schoben das Stück. Hier oben wurde uns ein grandioses Panorama geboten. Die Querung des Schlern zu den Schlernhäuser ist äußerst spektakulär und zudem größtenteils fahrbar. Es ist nur eine kurze Tragepassage hinauf auf den Schlernrücken zu meistern, die jedoch mit grandiosen Tiefblicken entschädigt. Schwindelfrei sollte man hier schon sein. Leider konnte Gomez das von sich nicht behaupten und musste des öfteren sichtlich mit der Angst kämpfen. Aber er hat diese Schlüsselstelle mit Bravour gemeistert. Ich habe schon Leute gesehen, die an solchen Stellen verweigert haben -ohne Fahrrad!
    Der Trail dann hinab zu den Schlernhäusern war gespickt mit kleinen technischen Herausforderungen und machte mächtig Freude. Auch im weiteren Verlauf zur Sessel Schwaige war der Weg größtenteils fahrbar. Dann folgte der Knüppelsteig, und zu meiner Überraschung war er sogar trocken. Grinsend, aber vorsichtig, fuhr ich auf der quer über die enge Schlucht gelegte, steile Holzkonstruktion. Die letzte Holzpassage war steiler als die anderen und verschwand in einer scharfen Linkskurve hinter den Felsen. Zwischen den Holzbrücken lauerten gefährliche Steinpassagen. Die Gefahr vor Augen stieg ich vor der Kurve vom Bike. Steffen hinter mir machte einen abschätzenden Gesichtsausdruck und ließ laufen. Noch bevor er hinter dem Felsen verschwunden war, hatte er beträchtlich an Geschwindigkeit hinzu gewonnen. Mir war sofort klar, dass er das nicht schaffen würde. Ich traute mich gar nicht um die Ecke zu schauen, das Schlimmste schon vor Augen. Und da lag er! Mitten auf den groben Steinen hatte er sich überschlagen. Er signalisierte mir jedoch sofort, dass alles in Ordnung sei.
    Steffen blutete an der Stirn, an der Fingerkuppe und hatte eine riesige "Pizza" am Oberschenkel. Zum Glück hatte er sich nichts gebrochen, und das Scalpel überstand den Sturz auch ohne größere Schäden. Nur einen Achter im hinteren Laufrad. Nachdem der Schock überwunden war, kurvten wir auf geilsten Trails hinab nach Tiers. Kurz vor dem Gasthof Schönblick holte ich mir noch ein klassisches Snakebite.
    In Tiers deckten wir uns nochmal mit frischen Getränken ein, bevor wir den Niger- und Karerpass in Angriff nahmen. Rosengarten und Latemar funkelten in der untergehenden Sonne. Eigentlich wollten wir an diesem Tag bis nach Predazzo. Wir fanden jedoch in Valongia im 3-Sterne Hotel Fontane für 43 Euro HP eine komfortable Unterkunft. Der Wirt war froh über jeden Gast, da viele Gäste wegen des schlechten Wetters der vergangenen Tage abgereist waren. Im Fernsehen konnte ich dann auch die Ausmaße des Adriatiefes (hieß es nicht Norbert?) in den Alpen verfolgen. Da hatten wir ganz schön Dusel, zumal Orte wie Mittenwald auch betroffen waren.
    Copyright © by Thomas Hofmann.